Ich kommuniziere. Hörst du mich?

In meinen Online-Dating Profilen schreibe ich meistens, dass ich mir „offene Kommunikation“ wünsche. Manche verstehen darunter, dass sie mir in den ersten Nachrichten mitteilen sollen, was sie genau suchen oder welche ausführlichen (oft sexuellen) Vorstellungen sie bezüglich unserer Begegnung haben. Diese Direktheit ist auch okay, aber nicht ganz was ich gemeint habe.

Ich schätze es, wenn ein Mensch mir authentisch gegenübertritt. Wenn ich ein Gefühl dafür bekomme, wie die Person so tickt, wie sie denkt, wie sie spricht, was sie in dieser Welt bewegt. Das meint nicht, dass ich möglichst viele Infos erhalte, sondern dass ein Mensch sich zeigt, ohne alle Aussagen in schusssicheren Schichten von Distanziertheit zu verpacken. Ich glaube viele meinen etwas ähnliches, wenn sie schreiben, dass sie Small Talk hassen. Ich finde Small Talk kann sehr schön sein, wenn man sich ehrlich auf ein Gespräch einlässt und der/die Gesprächspartner*in das Interesse des anderen spüren können. Lass uns übers Wetter reden! Macht dich Regen traurig? Wo liegst du am liebsten in der Sonne? Und: Gehen wir mal zusammen schwimmen?

Offene Kommunikation heisst für mich, dass ich nicht ewig überlegen muss, wie ich etwas formulieren soll. Ich möchte ausdrücken was ich denke. Dafür braucht es ein Gegenüber, welches es mir gleich tut.

Wenn mein*e Partner*in und ich von Beginn an echt sind, werden sich weniger unnötige Unsicherheiten und Ängste einschleichen können. Ich kann auch mal ein Thema ansprechen, das mir unangenehm ist. Ich kann darauf vertrauen, dass mein*e Partner*in mir sagt, wenn ihm/ihr schwer fällt, dass ich heute Abend ein Date habe. Wir können einander zuflüstern, welche Art von Berührung uns gefällt – und welche nicht! Eine Freundin kann mich angrinsen und mitteilen, dass sie mich eigentlich schon lange gern küssen würde. Und ich kann zurückgrinsen und es einfach tun.

Echt sein macht verletzlich – I get that. Und es ist auch nicht grad das einfachste der Welt, irgendeinem Menschen aus dem Internet zu vertrauen. Aber Menschen, die offen kommunizieren erkennen sich oft schnell. Zum Beispiel wenn es in der Corona-Distanz-Zeit nach nur wenigen Nachrichten zu seitenlangen, sehr aufrichtigen Zeilen über persönliche Baustellen kommt – man sich noch nie gesehen hat und das Gegenüber aber per Video zeigt wie toll sich der Wind hier anhört. Und egal wie es mit der ersten Begegnung dann weitergeht – das offene, ’sich-zeigende‘ Kommunizieren war sehr schön und brachte Mehrwert. Es lohnt sich also – so oder so.

Drum: Authentisch sein ist schön. Und sexy. Lass und reden, Baby!

Kommunikation


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Viola

Will sich bewusst dafür entscheiden, welche Denkmuster sie in ihrem Leben anwendet. Ist Feministin und möchte nie aufhören sich zu überdenken. Fühlt viel und gerne. Liebt neue Ideen, empathische Menschen, gute Bücher, sinnliche Berührungen und philosophische Gespräche bei einem Glas Wein.