sara suter polyamorie5

Zusammen – setzen

Sara Suter (www.sarasuter.ch), typografische Gestalterin aus Aarau, hat ihre Gedanken zum Thema Polyamorie und alternativen Beziehungsmodellen, in Form und Farbe sichtbar gemacht. Wir freuen uns riesig (!), ihre Arbeit auf unserer Seite zeigen zu dürfen und haben ihr noch ein paar Fragen dazu gestellt.

Was bewegt dich in diesem Thema?

Wer polyamor lebt, setzt sich oft intensiv damit auseinander, vor allem zumindest bei «Beginn». Wir hinterfragen den Status Quo, analysieren, nehmen Sachen auseinander, dekonstruieren sie und setzen sie neu zusammen. Häufig steckt viel Arbeit an sich selber dahinter, Schmerz, viele Gespräche, aber natürlich auch viel Liebe. In alle Richtungen gedacht, frei und authentisch.

Wie lebst du deine Beziehungen heute?

Ich bin sehr angetan von der Idee, keine Hierarchie zwischen meinen Herzensmenschen zu haben und die Beziehung mit mir selbst als erste Priorität zu setzen. Was macht eine Beziehung denn aus? Wer definiert das? Antwort: nur ich und die beteiligten Personen. Ich führe unterschiedliche Beziehungen zu unterschiedlichen Menschen, und was ihnen allen gemein ist, ist die emotionale Verbundenheit, das Commitment und die Intimität, welche ich mit ihnen teile. Diese Faktoren sehen aber mit jeder Person wieder komplett anders aus und genau diese Vielfalt ist es, welche ich so interessant finde: Alle Menschen sind anders und zeigen mir ihre Zuneigung auf ihre ganz persönliche Art und Weise.Was die Beziehungen unterscheidet, ist vor allem die Häufigkeit, wie oft wir uns sehen. Das verdeutlicht für mich ganz schön, dass die Qualität wichtiger ist, als die Quantität. Die Zeit, welche ich mit meinen Liebsten verbringe, ist für mich von unschätzbarem Wert und es spielt mir dabei keine Rolle, ob wir uns jeden Tag sehen oder einmal im Monat, ob regelmässig oder einfach so wie’s kommt. 

Entspricht es deinen Vorstellungen, fühlst du dich darin ‚geordnet‘?

Ich fühle mich effektiv wohl und geordnet, so wie es momentan ist. Natürlich gibt es Phasen, in denen sich alles viel chaotischer anfühlt und ich mich neu finden muss – aber das gehört einfach zum Leben dazu und ich versuche, mit dem Flow zu gehen und nichts zu erzwingen. 

Gibt es in diesem ‚Zerlegen der Sachen‘ auch eine Ordnung? Woran orientiert sie sich?

Für mich galt lange Zeit die monogame, heteronormative Beziehung als Ideal und wünschenswert. Kein Wunder, die meisten von uns wuchsen so auf und die Sichtbarkeit von anderen Modellen war nie wirklich stark, wenn überhaupt vorhanden. Ich finde es spannend, genau diese monogamen, heteronormativen Vorstellungen zu zerlegen, sich also Gedanken zu machen, was an diesen Sachen, die uns beigebracht werden, hilfreich für uns sind und was weg bzw. irgendwie neu zusammengesetzt werden kann. Dabei ist es wichtig, immer auf sich selbst zu hören und herauszufinden, was will ich wirklich? Und was meine ich, wollen zu müssen?

Ist dieser Prozess irgendwann abgeschlossen?

Ich glaube nicht. Wir verändern uns ein Leben lang, lernen, definieren uns neu, haben andere Sichtweisen als früher, ändern unsere Meinungen… das Leben ist ein einziger Prozess. Ich halte es für ungesund, an starren Vorstellungen festzuhalten, die vielleicht gar nicht (mehr) mir selbst entsprechen, eben weil ich mich verändere. Natürlich geben Vorstellungen und Pläne eine Art stabilen Rahmen und diesen immer wieder neu zu definieren kann anstrengend sein. Und ja, es kann weh tun, sich von Träumen zu verabschieden und eben diese Pläne über Bord zu werfen, weil man bemerkt, dass sie nicht mehr passen – aber genau dieser Prozess schafft auch Raum für Neues und ich bin überzeugt, dass man sich immer weiterentwickelt und so ein ganz wunderbares Leben führen kann.

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