Was sagt eigentlich die Forschung?

Nerdy-me hat mal ein bisschen die psychologische Forschung durchgeforstet und ist auf eine spannende Studie gestossen.

Studien von Rhonda et al. (2019)
Das Ziel dieser Studie war der Vergleich von verschiedenen Beziehungsformen:
1. Monogame Beziehungen
2. Polyamouröse Beziehungen, die zwischen primären und sekundären Partner*innen unterscheiden.
3. Polyamouröse Beziehungen, die nicht-hierarchisch aufgebaut sind (also keine Beziehungen als primäre und sekundär bezeichnet werden).

Ergebnisse:
Primäre Polybeziehungen ähneln in vieler Hinsicht monogamen Beziehungen (hinsichtlich Zufriedenheit, Commitement, investierte Zeit für Sex, Investment).
Auch in nicht-hierarchischen Beziehungen gibt es tenziell Beziehungen, die primären/sekundären Beziehungen in hierarchischen Beziehungsmodellen gleichen (z.B. weil eine Beziehung die Längste ist oder am meisten Zeit in einer Beziehung verbracht wird. Sie sind also primär- oder sekundär-anmutend).

Interessant sind die Unterschiede zwischen hierarchisch organisierten Beziehungen, wenn man sie mit den nicht-hierarchischen Beziehungen vergleicht.

Hierarchische Modelle

Primäre Beziehung
– akzeptierter im sozialen und familiären Umfeld
– mehr Investment
– mehr Zufriedenheit
– mehr Commitment

Sekundäre Beziehung
– mehr investierte Zeit für Sex
– mehr Geheimhaltung der Beziehung

Nicht-hierarchische Modelle (hier sind die Effekte generell kleiner)

Primär-anmutende Beziehung
– akzeptierter im sozialen und familiären Umfeld
– mehr Investment

Sekundär-anmutende Beziehung
– mehr investierte Zeit für Sex
– mehr Geheimhaltung der Beziehung

ZUFRIEDENHEIT und COMMITMENT sind jedoch bei den nicht-hierarchisch aufgebauten Beziehungen gleich verteilt.

Generell scheint es also in den untersuchten Poly-Modellen Beziehungen zu geben, die monogamen Beziehungen ähneln. Das macht auch Sinn, da der Mensch in seinen Beziehungen nach Sicherheit und Verbindlichkeit strebt und mein mehrjähriger Partner wohl eine eher monogam anmutende Beziehung zu mir hat, wie eine neue Partnerin.
Dass aber die Zufriedenheit und das Commitment in nicht-hierarchischen Modellen gleichmässiger verteilt ist, würde für eine solche Beziehungsform sprechen. Die Autoren des Artikels argumentieren damit, dass die Menschen in nicht-hierarchisch organisierten Beziehungen auch eher bestrebt sind, die Ressourcen gleichmässiger auf die Partner*innen zu verteilen weil sie das Hierarchiedenken ablehnen.

[Fazit, persönliche Gedanken dazu]

Quelle:
Balzarini, R. N., Dharma, C., Kohut, T., Campbell, L., Lehmiller, J. J., Harman, J. J., & Holmes, B. M. (2019). Comparing relationship quality across different types of romantic partners in polyamorous and monogamous relationships. Archives of sexual behavior, 48(6), 1749-1767.

Wissenschaft


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Viola

Will sich bewusst dafür entscheiden, welche Denkmuster sie in ihrem Leben anwendet. Ist Feministin und möchte nie aufhören sich zu überdenken. Fühlt viel und gerne. Liebt neue Ideen, empathische Menschen, gute Bücher, sinnliche Berührungen und philosophische Gespräche bei einem Glas Wein.