Wie kommt man dazu polyamor zu leben? Wie war das bei dir?

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Freundschaft, Kommunikation, Sex

Comments (5)

  • Vor Jahren liebte ich zwei Frauen. Ich musste mich entscheiden, und ich habe mich entschieden. Ich war unglücklich mit dem Entscheid, wäre genauso unglücklich gewesen, hätte ich mich für die andere Frau entschieden – denn ich liebte eben beide. Schliesslich zerbrach auch jene Beziehung, für die ich mich damals entschieden habe, nicht nur, aber auch, weil ich unglücklich war und nicht mehr in diese Liebe gefunden habe.

    Mit dieser Situation habe ich mich lange und intensiv beschäftigt. Zwei zentrale Dinge lernte ich über mich: Ich kann mehr als eine Frau leidenschaftlich lieben. Und: Wenn meine Partnerin sich in einen anderen Mann verliebt, so kann ich dies zulassen. Sie findet einen Menschen, den sie lieben kann und der ihr seine Liebe schenkt. Wunderschön! Dann hat sie zwei Menschen, die sie lieben. Wunderschön!

  • Ich hatte einen Aufwachmoment, als mir die ersten Klienten über den Weg liefen, die polyamorös lebten. Ich begann das Buch ‘Sex at dawn’ von Christopher Ryan zu lesen und da machte es klick: “Das bin ich!” Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar nicht realisiert, wie sehr meine Sexualität in der Monogamie unterdrückt war. Auch war mir nicht bewusst, dass ich in meiner Jugend schon mehrere poly-ähnliche Situationen erlebte (Gruppenküsse oder intensive Gefühle innerhalb einer Freundes-Triade). Aber dann kam meine Ehe, welche dann fürs erste zu einem monogam-konformen Leben führte.
    (Diese Antwort wurde von der Redaktion aus dem Englischen übersetzt.)

  • Nach 4 Jahren Monogamie, fing meine Partnerin an sich für andere Beziehungsmodelle zu interessieren. Sie recherchierte und diskutierte das neu gewonnene Wissen mit mir. Ich war offen und neugierig dies mit ihr zu besprechen, jedoch auch skeptisch ob das denn auch wirklich funktionieren könnte. Nachdem ich selbst mehr in die Thematik gab wurde ich auch offener dies zu wagen. Wir fingen an zu öffnen, wir tasteten uns vorsichtig voran. Meine Partnerin liess mir sehr viel Zeit und wir diskutierten immer wieder über unsere Gefühle und Erfahrungen. Als wir uns dann ein wenig anklimatisiert hatten, neue Begrifflichkeiten lernten, alte Konditionierungen hinter uns liessen und uns immer mehr wohl fühlten, einigten wir uns Polyamor zu leben. Mir war von Anfang an bewusst dass immer Gefühle mit im Spiel sein werden und dass wir uns nicht davor verstecken sollten. Auch meine Partnerin war dieser Meinung. Jetzt leben wir beinahe 3 Jahre Polyamor. ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben.

  • Nach einem knappen Jahrzehnt ehelich-monogamer Beziehung musste ich mir eingestehen, dass ich nicht ‚bis das der Tod uns scheidet‘ durchhalten werde. Zu stark wurde mein Drang nach Kontrast, Exploration und Lebendigkeit – nicht per se im sexuellen Sinne, sondern als Bedürfnis nach Autonomie. Auch die statistische Wahrscheinlichkeit einer Affäre – wohl primär als infantiles Statement meiner Freiheit – bewegte mich dazu das Thema proaktiv anzugehen (statt passiv daran vorbei zu schauen). Nach vielen Gesprächen mit meiner Partnerin, einem Stapel Büchern und viel Zeit zum Nachdenken haben wir die Beziehung geöffnet. Die darauffolgenden Jahre gehören mitunter zu den intensivsten meines Lebens. Nie zuvor war ich derart gefordert meine konditionierten Muster zu hinterfragen, meine Bedürfnisse zu kommunizieren und mein Selbstverständnis als Mensch in Beziehung zu finden. Rückblickend habe ich eine Reise zu mir selbst gemacht. Ich habe besser verstanden was ich fühle, was ich liebe, was ich brauche – und was nicht. Und das muss nicht poly sein, sondern die Ehrlichkeit mit sich selbst.

    Gemeinsam entschieden wir uns später, die eheliche Form der Beziehung aufzulösen um ihr zu ermöglichen eine eigene Form zu finden – eine, die besser zu den unser beider Bedürfnissen passt. Gelegentlich denken wir gemeinsam zurück an unseren Weg – zwar mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber einem das hinschauen darf.

  • Es begann, als ich zufällig über ein Youtube-Video eines nicht-monogamen Paares gestolpert bin. „Whaaat?“ dachte ich und ca. zwei Stunden später befand ich mich mitten im Dschungel der Polybeiträge auf Youtube. Ich hatte noch nie davon gehört und war unglaublich fasziniert. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 5 Jahre in einer monogamen Beziehung und sprach mit meinem Partner über dieses neue Thema, das mich auf knisternde Weise so fesselte. Ich wusste, dass ich da etwas gefunden hatte, das mich nicht so schnell wieder loslässt. Ich bestellte das Buch ‚Opening Up‘ von Tristan Taormino. Nach den ersten paar Seiten bestellte ich es gleich ein zweites Mal und drückte es meinem Partner in die Hand. Wir lasen das Buch, diskutierten nächtelang, malten uns Szenarien aus, teilten uns gegenseitig unsere Ängste mit, waren aufgeregt und erregt, weinten ein bisschen – und beschlossen schliesslich unsere Beziehung zu öffnen. Von Beginn an war für uns klar, dass wir uns warscheinlich verlieben werden und dann die Form von Nicht-Monogamie, die wir zu Beginn leben wandeln lassen wollen. Was dann auch so war. Wir verliebten uns. Und heute – nach bald 8 Jahren sitzen wir uns oft bei einem Glas Wein gegenüber, massieren uns die Füsse und sagen: „Wie schön, dass wir das gewagt haben. Danke für deinen Mut.“.

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