Polyamorie und Bindung im EFT-Ansatz
Einblicke in den Praxisalltag von Sara Frank.
Intensive Bindungen zu mehreren Partner:innen gleichzeitig bringt Freude und Nähe. Es kann aber auch Unsicherheiten, Ängste oder Eifersucht hervorrufen. In meiner Arbeit als emotionsfokussierte Paartherapeutin begleite ich diese Gefühle wertschätzend und in einem bindungsorientierten Rahmen. Denn Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis nach emotionaler Nähe und Sicherheit. Bei polyamoren Paaren, die ich begleiten darf, zeigt sich das oft in unterschiedlichen Dynamiken:
- Mehrfache Bindungen: Jede Beziehung bringt eigene Erwartungen und Ängste mit sich.
- Verletzlichkeit: Die Sorge, nicht ausreichend geliebt oder priorisiert zu werden, kann sich verstärken.
- Kommunikationsbedarf: Regelmässiger Austausch über Grenzen, Bedürfnisse und Gefühle ist entscheidend, um emotionale Sicherheit zu fördern.
Die emotionsfokussierte Therapie (EFT) basiert auf Bindungstheorien und konzentriert sich darauf, emotionale Muster in Beziehungen zu erkennen und zu verstehen. Anstatt nur auf Konflikte oder Verhalten zu reagieren, geht EFT auf die zugrunde liegenden Gefühle ein, die Bindungsängste und Beziehungsspannungen verursachen.
Zentrale Schritte in meiner emotionsfokussierten Therapie sind:
- Emotionen benennen und erkennen: Verständnis für die eigenen Gefühle entwickeln.
- Verletzlichkeit zulassen: Gefühle offen mitteilen, ohne sich zu rechtfertigen.
- Empathische Reaktionen zeigen: Auf die Gefühle des anderen eingehen, um emotionale Nähe zu stärken.
In polyamoren Beziehungen ist emotionale Bindung vielschichtig. EFT bietet einen Rahmen, um eigene Ängste zu erkennen, Bedürfnisse auszudrücken und empathisch auf andere einzugehen. Es geht weniger darum, „Probleme zu lösen“, sondern eher darum, emotionale Dynamiken sichtbar zu machen und bewusster zu gestalten.
Es ist für mich immer wieder ein magischer Moment, wenn Beziehungsmenschen ein tieferes Verständnis füreinander entwickeln und mehr Sicherheit in den Bindungen erleben.
